© Photographer

 

“Mach nicht irgendwas Verrücktes!”

Seit dem 24.02.22 ste­he ich in kon­tinuier­lichem Aus­tausch mit unseren Kon­tak­ten in der Ukraine || Putin bombt uns zurück in die dun­kle Ver­gan­gen­heit der Angriff­skriege || Igor Fedirko ist Soldat 

Die Mit­glieder des Moravs­ki Kam­mer­chors sind über die ganze Ukraine verteilt. Teil­weise vertei­di­gen sie ihr Land, teil­weise sind sie unter­ge­taucht und beobacht­en das Geschehen.

Igor Fedirko ist zurzeit in der Armee und trainiert in Kiew. Er sagt, sobald er fer­tig ist mit seinem Train­ing, wird er an die Front versetzt.

„Igor how are you?“ („Igor wie geht‘s dir?”) Eine Nachricht an meine eng­sten ukrainis­chen Kon­tak­te gehört mit­tler­weile, neben Früh­stück­en und Nachricht­en sehen, zu mein­er Mor­gen­rou­tine. Schick­en andere nur noch ein „+“, um zu zeigen, dass sie noch am Leben sind, gibt sich »Igor Fedirko noch immer etwas mehr Mühe. Meist schickt er kurze Videobotschaften von gespende­ten „deutschen“ Deck­en und Matratzen, die in einem Lager aufgestapelt wur­den; von deutschen Fer­tig­gericht­en. Tja, auch die Gemüsep­fanne von Eras­co hat nun ihren Weg in die Ukraine gefun­den. Aber er schickt auch ein Video von seinem Gewehr. „Julian, that’s my new live now!“ („Julian, das ist jet­zt mein neues Leben!”) schreibt er, wie immer gefol­gt von seinem schelmis­chen Lächeln. 

Und so habe ich damals 2015 die Ukrain­er ken­nen­gel­ernt: furcht­los, stolz, tatkräftig und Meis­ter der Impro­vi­sa­tion; sind sie anfangs noch mis­strauisch, sind sie dir später für immer gewogen, wenn man ihr Herz erobert hat. Von diesem Zeit­punkt an wirst du immer einen Platz zum Schlafen, Feiern und Essen haben. Denn du gehörst jet­zt zur Familie.
 
„Peo­ple are crazy! “ („Die Men­schen sind ver­rückt gewor­den!“) eine Nachricht, die er mir an jen­em schick­sal­haften 24. Feb­ru­ar schick­te, als Rus­s­land in die Ukraine ein­marschierte. Er belustigte sich über Men­schen­schlangen vor Super­märk­ten und schloss, wie immer, seine Nachricht mit einem schelmis­chen: „Every­thing will be good!“ („Alles wird gut werden!“).

Auch in dieser Sit­u­a­tion tut Igor das, was getan wer­den muss. Mein Lächeln über seinen Charme bleibt mir im Halse steck­en. Tut mein Land auch, das was getan werden 

muss? Tun wir alles, was in unser­er Macht ste­ht, um diese Men­schen zu schützen? Wir nehmen sie auf, wir geben ihnen Geld, wir organ­isiere Proteste. Wir tun wirk­lich viel. Aber, ich frage mich, ob das nicht ein Stück weit auch selb­stver­ständlich ist, wenn sie ver­fol­gt, ter­ror­isiert und getötet wer­den? Warum zögern wir noch immer mit Waf­fen­liefer­un­gen? Es gibt keine ein­fachen Antworten in diesen Tagen, aber ich frage mich, ob wir Deutsche wirk­lich richtige Fre­unde, der Ukraine sind. Wie würde sich ein wirk­lich­er Fre­und verhalten?

Igor war für ein paar Tage zu Hause in sein­er Woh­nung. Er sagt, sie haben ihm etwas Urlaub gegeben. „Die Stadt ist ruhig und es fall­en keine Bomben! Kannst du dir das vorstellen?“ Er ist eupho­risch. Tage danach schickt er mir ein Bild. Er fährt heute zurück zu seinem Train­ing. Man sieht ihn in einem Cam­ou­flage-Anzug des ukrainis­chen Mil­itärs. Das Ganze wirkt befremdlich auf mich – sein Gewehr hängt auf seinem Rück­en; nur die Spitze ist zu sehen „Pass auf dich auf, mein Fre­und! Ich brauche Dich noch als Regis­seur! Mach nicht irgend­was ver­rück­tes!“ Sein schelmis­ches Lächeln, ist wie immer noch da:„Versprochen!“

Spende

Nur mit Ihrer Spende kön­nen wir Pro­jek­te real­isieren. Art Cross­ing Bor­ders e.V. arbeit­et ohne eigene Gewinnab­sicht­en und gemein­nützig. Jed­er Betrag kommt nur den Vere­in­szie­len zu Gute. Vie­len Dank für Ihre Unterstützung!

 

Spendenkon­to:
Art Cross­ing Bor­ders e.V.
Deutsche Skat­bank
IBAN: DE92830654080004275217
BIC: GENODEF1SLR

 

JETZT SPENDEN